Die neuen EU-Vorgaben erzwingen den Umtausch älterer Führerscheine in ganz Deutschland, weshalb Bundesrat, Verkehrsausschuss und Bundesregierung sich auf ein Vorgehen einigen müssen. Es werden bei einem unreglementierten Umtausch sämtlicher älterer Führerscheindokumente in Deutschland Probleme bei der praktischen Umsetzung erwartet. Daher setzt sich der Bundesrat für einen detaillierten Fristenplan ein, damit der Umtausch in der Praxis von den Behörden fristgerecht bewältigt werden kann und die Bürger zügig mit neuen Dokumenten rechnen können. Konkret müssen alle alten Papierführerscheine und älteren Scheckkartenführerscheine ausgetauscht werden, die vor dem 19.01.2013 ausgestellt worden sind.

Die Vorschläge des Verkehrsausschusses im Überblick:

Durch die Staffelung des Umtauschs soll der Prozess entzerrt werden.
Auf Antrag können Motorrad- und Pkw-Führerscheine ohne Prüfung umgetauscht werden.
Anhand einer Umtauschtabelle soll die Staffelung nach Geburtsjahr des Führerscheininhabers bzw. Ausstellungsjahr des Führerscheins geregelt werden.

Der Bundesrat plädiert dafür, den Vorschlag des Verkehrsausschusses für den Umtausch der Dokumente anzunehmen. Nach den Vorgaben der EU-Richtlinie 2006/126/EG müssen alle alten Führerscheine (rosa und graue Papierführerscheine und ältere Scheckkartenführerscheine) bis spätestens 19.01.2033 in neue Führerscheine umgetauscht worden sein. Abgelaufene Führerscheine verlieren damit ihre Gültigkeit. Durch eine zeitliche Staffelung des Umtauschs sollen die Behörden entlastet und lange Wartezeiten vermieden werden. Geplant ist, dass der Umtausch nach Geburts- oder Ausstellungsjahr des Führerscheins in mehreren Stufen durchgeführt werden soll.

Wann Sie mit Ihrem Umtausch des Führerscheins an der Reihe sind, können Sie den folgenden Tabellen entnehmen:

1. Führerscheine bis 1998

2. Führerscheine ab 1999

Papier- und Scheckkartenführerscheine in Deutschland

Derzeit gibt es noch etwa 15 Millionen alte Papierführerscheine (rosa und grau), die bis 31.12.1998 ausgestellt wurden. Auf diesen sind noch die alten Fahrerlaubnisklassen abgedruckt. Außerdem sollen weitere etwa 28 Millionen Scheckkartenführerscheine getauscht werden. Diese wurden zwischen dem 01.01.1999 und dem 18.01.2013 ausgegeben. Nach Ablauf der Umtauschfrist dürfen die alten Führerscheine nicht mehr als Fahrerlaubnis genutzt werden.

Antragstellung nur persönlich möglich

Außer der Problematik der Überlastung der Führerscheinbehörden durch ein ungeregeltes Umtauschen der Dokumente ohne zeitliche Staffelung könnte es weitere Probleme geben. Wer in seinem Zeitfenster keine Möglichkeit hat, den Antrag zu stellen, könnte eventuell bei einer Kontrolle Probleme haben. Nach der Umtauschfrist haben Sie keine offiziell gültige Fahrerlaubnis. Eine Vollmacht für die Antragstellung durch eine andere Person ist leider wirkungslos, weil ein Antrag auf den Tausch des Führerscheins ausschließlich vom Führerscheininhaber persönlich gestellt werden kann. Es muss deshalb dafür Sorge getragen werden, dass Bürger auch ohne lange Wartezeiten ein neues Dokument beantragen und erhalten können. Das Verfahren beim Umtausch selbst soll durch die zeitliche Staffelung nicht berührt werden. Nach persönlicher Antragsstellung wird der Führerschein ohne weitere Prüfung oder Untersuchung durch die Behörde getauscht. Dies gilt bei allen normalen Pkw- und Motorrad-Klassen. Wer nach der Umtauschfrist jedoch weiter mit seinem alten Führerschein unterwegs ist, kann bei einer Kontrolle mit einem Verwarnungsgeld rechnen. Anders als bei LKW- oder Bus-Führerscheinen begeht der Pkw- oder Motorradfahrer jedoch beim Fahren mit altem Führerschein keine Straftat. Für alle gewerblich genutzten Führerscheine gelten andere Regeln.

Vorteile des Umtauschs

Durch die neue EU-Richtlinie sollen sich mehrere Vorteile ab dem Jahr 2033 mit den neuen Führerscheinen ergeben: Es soll dadurch ein einheitliches und vor allem auch fälschungssicheres Dokument in der ganzen EU gelten. Dazu sollen alle gültigen Führerscheine in einer zentralen Datenbank erfasst werden. Dies erleichtert u.a. den Datenabgleich bei einer Kontrolle ausländischer Fahrer. Hierdurch sollen ein Missbrauch oder Fälschung der Führerscheine verhindert werden.

Weiteres Vorgehen bis zur Umsetzung des Stufenplans

Im nächsten Schritt muss nun die Umsetzung des Stufenplans zum Umtausch der Führerscheindokumente durch die Bundesregierung geleistet werden. Daran schließt sich die Verkündung der Verordnung und deren Inkrafttreten an. Selbstverständlich informieren wir darüber, sobald dies erfolgt ist.

Verfahren beim Tausch des Führerscheins

Nur Sie selbst als Führerscheininhaber können bei der Behörde den Antrag auf Ausstellung eines neuen Dokuments stellen. Sie benötigen für die Antragstellung beim Tausch Ihres normalen Pkw- oder Motorradführerscheins Ihren gültigen Personalausweis oder einen gültigen Reisepass. Außerdem müssen Sie ein neues biometrisches Passfoto mitbringen und Ihren noch aktuellen alten Führerschein. Sollte Ihr alter Papierführerschein oder der Scheckkartenführerschein jedoch nicht von der Behörde Ihres derzeitigen Wohnsitzes ausgestellt worden sein, müssen Sie außerdem eine Karteikartenabschrift bei der Behörde anfordern, die den Führerschein ursprünglich ausgestellt hat.

Unterschiede zwischen den alten Führerscheinklassen und den Fahrerlaubnissen im neuen Dokument

Im alten Führerscheindokument sind Fahrerlaubnisklassen eingetragen, beispielsweise Klasse 2 oder 3. Dies ändert sich beim Umtausch in den neuen Führerschein nur dem Namen nach. Tauschen Sie also Ihren alten rosafarbenen oder grauen Papierführerschein gegen den neuen Führerschein, dann werden alle bisherigen Fahrerlaubnisklassen im neuen Dokument bestätigt. Sie behalten alle Ihre Fahrberechtigungen ohne weitere Untersuchung oder Prüfung. Diese werden lediglich auf das neue System umbenannt in die entsprechende neue Bezeichnung. Beim Scheckkartenführerschein sind die neuen Fahrerlaubnisklassen bereits enthalten. Sie werden genauso in den neuen Führerschein ohne Prüfung übernommen. In Anlage 3 zur Fahrerlaubnisverordnung können Sie eine umfassende Umtauschtabelle mit allen notwendigen Informationen einsehen. Sie enthält außerdem einige Umtauschbeispiele zwischen den alten und neuen Fahrberechtigungen.

Kosten für den Umtausch in den neuen Führerschein

Die Kosten für den Führerscheintausch muss der Führerscheininhaber selbst tragen. Bei einem normalen Pkw- oder Motorradführerschein sind dies etwa 25€. Die für Sie zuständige Führerscheinbehörde ist die Ihres aktuellen Wohnsitzes. Unterlässt ein Fahrer den Umtausch seines alten Führerscheins, kann nach dem Ablauf der Umtauschfrist ein Verwarnungsgeld von der Polizei erhoben werden, denn der alte Führerschein gilt nicht mehr. Werden Sie dann ohne gültiges Dokument kontrolliert, liegt das Verwarnungsgeld bei 10€.

Gültigkeitsdauer der neuen Führerscheine

Anders als die alten Führerscheine ohne festgelegte Gültigkeitsdauer gelten die neuen Dokumente nur jeweils für 15 Jahre. Danach muss das Führerscheindokument immer wieder neu beantragt werden, genauso wie es derzeit schon beim Personalausweis der Fall ist. Dazu ist dann jeweils wieder ein aktuelles biometrisches Foto nötig. Die Fahrerlaubnisklassen werden von dem Umtausch nach 15 Jahren aber nicht berührt, sie bleiben wie gehabt bestehen.

Alte Führerscheine dürfen im Ausland nicht genutzt werden

Auch im Ausland darf ein Fahrer nicht mehr mit dem abgelaufenen Führerschein seinen Pkw oder sein Motorrad fahren. Im Einzelfall kann dies zu erheblichen Problemen mit den örtlichen Behörden führen. Die Auswirkungen hängen aber auch vom jeweiligen Reiseland ab.